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Trauma

04/11/24

Traumafachberatung

Schon lange fällt mir auf, dass den Symptomen meiner Patient*innen oft ein traumatisches Ereignis zugrunde liegt. Zwar werde ich wegen Ängsten, Depressionen, Schlaflosigkeit usw. aufgesucht, aber bei genauerem Fragen stellt sich heraus, dass viele Menschen ein Trauma erlebt haben, das (noch) nicht verarbeitet worden ist. Dieses wird selten mit der momentanen Symptomatik in Verbindung gebracht, kann aber die Ursache für gerade aktuellen oder chronischen Beschwerden sein.

U. a. war das für mich der Anlass, eine Fortbildung in Traumazentrierter Fachberatung zu besuchen. Die erlernten Methoden und die speziell auf Trauma zugeschnittene Wissensvermittlung, lassen sich wunderbar mit der Logotherapie & Existenzanalyse verbinden. So kann ich nun mein Angebot sinnvoll erweitern.

Viktor E. Frankl selbst war traumatisiert, weil er aufgrund seines jüdischen Glaubens zusammen mit seiner Familie von den Nazis in verschiedene KZs verschleppt wurde. Er überlebte, weil vor allem der Wunsch seine Familie wiederzusehen, seinem Überleben Sinn gab. Sie überlebten die Inhaftierung aber nicht und er rang lange mit sich und der unerträglichen Situation, bis er neuen Lebenssinn als Arzt und Autor fand. Er veröffentlichte relativ schnell nach seiner Befreiung die Bücher „Ärztliche Seelsorge“ und „…trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“, denen noch einige andere folgen sollten. Mit seinen Büchern und seiner Lehre erlangte er weltweite Anerkennung und war auch als Dozent sehr beliebt. Seine Logotherapie impliziert bereits den traumasensiblen Umgang mit Patient*innen und bildet somit ein gutes Fundament bei der Behandlung von Traumata. Auch privat erlebte er neues Glück mit seiner zweiten Ehefrau Eleonora und ihrer gemeinsamen Tochter Gabriele.

Tauma:

Ein Trauma – griechisch für „Wunde“ – kann durch unterschiedliche äußere Einflüsse hervorgerufen werden und wird als (lebens)bedrohlich erlebt. Das traumatische Ereignis kann einmalig auftreten wie bei einem Überfall, einem Unfall oder einer Naturkatastrophe oder sich über einen längeren Zeitraum hinziehen wie bei Kriegserlebnissen, häuslicher Gewalt oder Missbrauch.

Idealerweise können wir traumatische Ereignisse verarbeiten und sie als Erinnerungen integrieren. Passiert dies aber nicht, kann es zu unterschiedlichen Traumafolgestörungen kommen. Es können sich u.a. Ängste, Depressionen, somatische (körperliche) Beschwerden entwickeln. Als qualvoll werden auch Flashbacks, Schlaflosigkeit, Gefühl der Betäubung und der eingeschränkten Wahrnehmung erlebt. Traumatisierte Menschen fühlen sich häufig schutzlos negativen Einflüssen ausgeliefert, denen sie nichts entgegensetzen können. Die Betroffenen erleben sich als hilflos und handlungsunfähig.

Eine Traumafolgestörung ist auch ein Geschehen auf körperlicher Ebene. Der normale Verarbeitungsprozess im Gehirn ist unterbrochen und damit bleiben traumatische Erinnerungen, Gefühle und Bilder aktiv, oft nur bruchstückhaft. Das Erlebte kann nicht in einen Sinnzusammenhang gebracht und gut verarbeitet im Gedächtnis abgelegt werden. Für die Betroffenen fühlt es sich an, als ob es gerade erst passiert wäre und sie stehen unter erhöhtem Stress.

Wie jede andere Erkrankung ist auch eine Traumafolgestörung im Hinblick auf den Betroffenen zu sehen und kann sich sehr unterschiedlich auswirken. Aus logotherapeutischer Sicht können wir aber auf jeden Fall sagen, dass zwar der Körper oder die Psyche verletzt werden können, aber nicht der heile Kern eines Menschen.

Taumabearbeitung:

Eine Rettungsgeschichte

….die Drei gehen gemeinsam aus dem Haus. Hand in Hand durch den Vorgarten und bleiben auf der gegenüberliegenden Straße stehen. Die Patin fragt die kleine Anne, ob sie sich schon sicher fühlt oder ob es noch etwas braucht. Die kleine Anne zögert und antwortet nicht. Daraufhin fragt die große Anne, ob sie weiter weg möchte. Sie erinnert die kleine Anne daran, dass sie sich alles wünschen kann was sie möchte, denn in der Fantasie ist alles erlaubt und möglich…

Traumatisierte Menschen entwickeln unterschiedliche Strategien, um mit dem Erlebten umzugehen. Diese funktionieren oft gut, machen das Zusammenleben mit anderen aber manchmal schwierig oder sogar unmöglich. Wenn die eigenen Möglichkeiten der Bewältigung nicht ausreichen, können Krankheiten entstehen. Diese reichen von Bauchschmerzen bis hin zu Dissoziationen.

Eine Traumafachberatung hilft, das Trauma, das daraus resultierende Verhalten, Denken und Fühlen besser zu verstehen. Dazu passend ausgewählte Methoden können die Betroffenen anleiten und unterstützen, das Erlebte zu verarbeiten und selbstschädigende Strukturen zu verändern.

Nicht immer braucht es dazu eine direkte Traumakonfrontation. Das Bild auf dieser Seite ist bei der Arbeit mit einer Rettungsgeschichte entstanden. Dabei wurde eine belastende Situation ausgewählt, die dann von der Patientin unter Anleitung der Beraterin zu einem guten Ende gebracht wurde. Die schriftliche Dokumentation war der Teil der Beraterin und das Malen das der Patientin.

Als Logotherapeutin unterstütze ich Sie, das schicksalhaft Unabänderliche von dem zu trennen, was sich ändern lässt. Das eine ist zu akzeptieren, aber egal was uns passiert, ist es uns freigestellt, wie wir uns zum Erlebten beziehen. Es lassen sich meist kreative Möglichkeiten finden, ein sinnvolles und gutes Leben zu gestalten. Viele Menschen wissen, wie sehr man darum ringen muss, seinem Leben nach unerträglichen Ereignissen wieder Sinn zu geben. Ich bin überzeugt, dass dieser Weg mit traumaspezifischer Hilfe Schritt um Schritt gelingen kann.

Viktor E. Frankl: „Wollen wir eine Brücke schlagen von Mensch zu Mensch – und dies gilt auch von einer Brücke des Erkennens und Verstehens – so müssen die Brückenköpfe eben nicht die Köpfe, sondern die Herzen sein.“

Bildquelle: Foto von Josh Durham auf Unsplash


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